GUT FÜR SICH SORGEN
Der Körper wird älter – du musst deshalb nicht aufgeben
Warum es sich auch mit sechzig, siebzig oder achtzig noch lohnt, gut für den eigenen Körper zu sorgen.
Vor einiger Zeit saß ich mit mehreren Frauen zusammen, die ungefähr in meinem Alter waren. Wie so oft kam das Gespräch irgendwann auf Gesundheit, Bewegung und all die Veränderungen, die wir mit den Jahren an uns beobachten.
Wir sprachen darüber, dass manches nicht mehr ganz so leichtfällt wie früher. Dass der Rücken sich gelegentlich meldet, die Kondition schon einmal besser war und eine kurze Nacht heute deutlich länger nachwirkt als noch vor zwanzig Jahren.
Es dauerte nicht lange, bis eine der Frauen einen Satz sagte, den ich seitdem nicht vergessen habe:
„Ach Petra, in unserem Alter lohnt sich das doch alles nicht mehr.“
Sie meinte das nicht dramatisch. Es war eher eine beiläufige Bemerkung. Einer dieser Sätze, die man sagt und über die man vielleicht schon im nächsten Moment nicht mehr nachdenkt.
Mich hat er trotzdem beschäftigt.
Denn hinter diesem kleinen Satz steckt eine Vorstellung, die ich bei vielen Menschen beobachte: Irgendwann scheint ein Alter erreicht zu sein, in dem es angeblich keinen großen Unterschied mehr macht, ob wir uns bewegen, wie wir essen oder wie gut wir für uns sorgen.
Und genau das sehe ich völlig anders.
Der Körper wird älter. Das bedeutet aber nicht, dass es sich nicht mehr lohnt, gut für ihn zu sorgen.
Zwischen Veränderung und Aufgeben liegt ein großer Unterschied
Natürlich verändert sich unser Körper. Darüber haben wir bereits gesprochen. Unsere Muskelmasse kann sich verändern, Hormone spielen eine andere Rolle, die Regeneration dauert manchmal länger und auch unser Energiebedarf ist möglicherweise nicht mehr derselbe wie früher.
All das gehört zum Älterwerden dazu.
Ich halte nichts davon, diese Veränderungen schönzureden. Wir müssen nicht so tun, als wäre mit siebzig alles genauso wie mit dreißig. Das wäre weder ehrlich noch hilfreich.
Aber zwischen „Mein Körper verändert sich“ und „Ich kann sowieso nichts mehr bewirken“ liegt ein gewaltiger Unterschied.
Genau an dieser Stelle machen wir manchmal einen Denkfehler. Wir bemerken, dass etwas schwieriger geworden ist, und schließen daraus, dass es sich gar nicht mehr lohnt.
Dabei ist das eine nicht automatisch die Folge des anderen.
Dein Körper reagiert auch heute noch auf das, was du tust
Unser Körper hört nicht an einem bestimmten Geburtstag auf, auf gute Gewohnheiten zu reagieren.
Wenn wir uns regelmäßig bewegen, profitiert er davon. Wenn wir unsere Muskeln beanspruchen, geben wir ihnen einen Grund, gebraucht zu werden. Wenn wir ausgewogen essen, ausreichend trinken, auf unseren Schlaf achten und Erholung ernst nehmen, unterstützen wir unseren Körper.
Vielleicht reagiert er heute nicht mehr genauso schnell wie früher. Vielleicht brauchen manche Veränderungen länger. Und vielleicht sieht das Ergebnis anders aus, als wir es mit dreißig erwartet hätten.
Aber das macht die Wirkung nicht weniger wertvoll.
Denn worum geht es eigentlich?
Darum, möglichst lange beweglich zu bleiben. Kraft für den Alltag zu haben. Treppen steigen zu können. Einkäufe zu tragen. Einen Spaziergang zu genießen. Reisen zu können. Mit den Enkelkindern auf dem Boden zu sitzen und möglichst auch wieder aufzustehen.
Das sind vielleicht keine spektakulären Fitnessziele.
Aber sie haben sehr viel mit Lebensqualität zu tun.
Es geht nicht darum, wieder dreißig zu werden. Es geht darum, sich in den Jahren, die vor uns liegen, möglichst gut zu fühlen.
Gerade unsere Muskeln brauchen uns jetzt
Im letzten Beitrag haben wir bereits darüber gesprochen, welche wichtige Rolle unsere Muskeln mit zunehmendem Alter spielen.
Früher mussten viele von uns darüber kaum nachdenken. Heute lohnt es sich, ihnen ganz bewusst Aufmerksamkeit zu schenken. Nicht, weil wir plötzlich Bodybuilderinnen werden sollen. Sondern weil Kraft uns im Alltag unabhängig macht.
Aufstehen, tragen, gehen, Treppen steigen, das Gleichgewicht halten – all das hat mit Muskulatur zu tun.
Und das Schöne daran ist: Es lohnt sich auch später noch, aktiv zu werden.
Wir müssen dabei nicht von heute auf morgen ein großes Sportprogramm beginnen. Manchmal fängt Veränderung sehr unspektakulär an. Mit einem Spaziergang. Mit ein paar Übungen zu Hause. Mit regelmäßigem Treppensteigen. Vielleicht mit einem Kurs, Schwimmen oder einem Training, das Freude macht.
Entscheidend ist nicht, ob es beeindruckend aussieht.
Entscheidend ist, dass wir anfangen, unseren Körper wieder zu benutzen.
Auch Ernährung bleibt wichtig
Ähnlich ist es mit unserer Ernährung. Manchmal höre ich Sätze wie: „Jetzt ist es doch auch egal, was ich esse.“
Nein, egal ist es nicht.
Aber vielleicht dürfen wir Ernährung in dieser Lebensphase anders betrachten.
Nicht als Werkzeug, mit dem wir unseren Körper möglichst schnell verändern. Nicht als tägliche Sammlung von Verboten. Und schon gar nicht als ständige Prüfung unserer Disziplin.
Sondern als eine Möglichkeit, unseren Körper gut zu versorgen.
Mit Lebensmitteln, die uns Nährstoffe liefern. Mit ausreichend Eiweiß für unsere Muskeln. Mit Gemüse, Obst, guten Fetten und all den Dingen, die zu einer abwechslungsreichen Ernährung gehören. Und selbstverständlich darf Essen weiterhin schmecken und Freude machen.
Gut für sich zu sorgen bedeutet nicht, perfekt zu essen.
Es bedeutet, den eigenen Körper ernst zu nehmen.
Es geht nicht darum, das Älterwerden aufzuhalten
Vielleicht ist das einer der wichtigsten Unterschiede.
Wenn wir über Bewegung, Ernährung und Gesundheit sprechen, entsteht schnell der Eindruck, wir müssten all diese Dinge tun, um möglichst lange jung zu bleiben.
Aber ich möchte gar nicht jung bleiben.
Ich möchte gut älter werden.
Das ist etwas anderes.
Gut älter zu werden bedeutet für mich, meinen Körper nicht dafür zu kritisieren, dass er die Jahre zeigt. Es bedeutet, seine Veränderungen ernst zu nehmen und gleichzeitig das zu tun, was ich beeinflussen kann.
Ich kann das Älterwerden nicht verhindern. Aber ich kann mich bewegen. Ich kann mich ausgewogen ernähren. Ich kann auf Erholung achten. Ich kann soziale Kontakte pflegen. Ich kann neugierig bleiben.
Und ich kann mich immer wieder fragen: Was würde mir heute guttun?
Wir müssen nicht gegen das Älterwerden kämpfen. Wir dürfen lernen, gut mit ihm zu leben.
„Dafür bin ich zu alt“ ist manchmal nur eine Gewohnheit
Es sind übrigens nicht nur Bewegung und Ernährung, bei denen wir uns selbst Grenzen setzen.
„Dafür bin ich zu alt“ kann sich irgendwann in erstaunlich viele Bereiche unseres Lebens einschleichen.
Zu alt für einen neuen Sport. Zu alt für eine Reise. Zu alt, um noch etwas zu lernen. Zu alt für ein neues Hobby. Zu alt, um noch einmal etwas ganz anders zu machen.
Natürlich gibt es Dinge, die mit zunehmendem Alter schwieriger werden oder irgendwann tatsächlich nicht mehr möglich sind.
Aber manchmal ist die Grenze gar nicht unser Körper.
Manchmal ist es nur die Vorstellung davon, was Menschen in unserem Alter angeblich noch tun sollten.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, diesen Satz gelegentlich umzudrehen.
Nicht: Bin ich dafür schon zu alt?
Sondern: Warum eigentlich nicht?
Claudia wollte eigentlich nicht mehr anfangen
Claudia hatte schon lange das Gefühl, dass sie etwas für ihre Kraft tun müsste. Treppen fielen ihr schwerer und wenn sie längere Zeit auf dem Boden saß, merkte sie beim Aufstehen ziemlich deutlich, dass ihre Beine früher kräftiger gewesen waren.
Trotzdem schob sie das Thema vor sich her.
Ein Fitnessstudio kam für sie nicht infrage. „Da sind doch nur junge Leute“, sagte sie. Und für Sport, davon war sie überzeugt, sei sie ohnehin nie der Typ gewesen.
Irgendwann fand sie einen kleinen Kurs, in dem ganz unterschiedliche Frauen gemeinsam trainierten. Keine Hochleistung, keine komplizierten Übungen und niemand musste beweisen, wie sportlich er war.
Nach der ersten Stunde war Claudia erschöpft.
Nach einigen Wochen merkte sie etwas anderes: Das Treppensteigen fiel ihr leichter.
Es war keine spektakuläre Verwandlung. Kein Vorher-nachher-Foto. Keine Geschichte darüber, dass plötzlich alles anders war.
Aber für Claudia war es ein kleiner Beweis dafür, dass ihr Körper durchaus noch auf das reagierte, was sie tat.
Und manchmal ist genau das der Anfang.
Vielleicht lohnt es sich gerade jetzt
Wenn ich heute an die Frau zurückdenke, die damals sagte: „In unserem Alter lohnt sich das doch alles nicht mehr“, würde ich ihr wahrscheinlich anders antworten als damals.
Ich würde sagen:
Gerade jetzt lohnt es sich.
Gerade jetzt lohnt es sich, unsere Muskeln zu erhalten. Gerade jetzt lohnt es sich, beweglich zu bleiben. Gerade jetzt lohnt es sich, unseren Körper gut zu versorgen und ihm Erholung zu geben.
Nicht weil wir dadurch verhindern könnten, älter zu werden.
Sondern weil die Jahre, die vor uns liegen, genauso zu unserem Leben gehören wie die Jahre, die hinter uns liegen.
Und ich möchte diese Jahre nicht damit verbringen, meinem Körper ständig vorzuwerfen, dass er älter geworden ist.
Ich möchte möglichst gut mit ihm leben.
Mein Gedanke für dich
Vielleicht gibt es auch in deinem Leben etwas, bei dem du irgendwann gedacht hast: Dafür ist es jetzt zu spät.
Vielleicht möchtest du dich wieder mehr bewegen. Vielleicht möchtest du kräftiger werden. Vielleicht möchtest du deine Ernährung verändern, besser schlafen, häufiger nach draußen gehen oder einfach wieder mehr auf dich achten.
Dann musst du nicht alles gleichzeitig verändern.
Du brauchst keinen perfekten Plan und du musst niemandem etwas beweisen.
Vielleicht reicht für den Anfang ein kleiner Schritt.
Denn dein Körper wird älter. Das lässt sich nicht verhindern und das muss es auch gar nicht.
Aber daraus folgt nicht, dass du nichts mehr für dich tun kannst.
Der Körper wird älter. Das Leben muss deshalb nicht kleiner werden.